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ORDEN ODER GESELLSCHAFT?
Філологія - Мовознавство

Werner Kьgel G. Ohm-Fachhochschule, NЬRnberg

Розглядаються особливості формування Квіткового Ордену як провідного барочного мовного товариства Німе-Ччини; визначаються мовленнєві риси, що притаманні комунікації у межах Ордену.

Рассматриваются особенности формирования Цветочного Ордена как Ведущего Барочного Общества Герма-Нии; определяются языковые черты, присущие коммуникации В Пределах Ордена.

The features of forming Floral Order as a leading baroque linguistic society in Germany are regarded; speech peculiarities are determined, that inherent communications within the Order.

Der Pegnesische Blumenorden zu Nьrnberg erscheint ein seltsamer Verein. Kaum jemand versteht «Orden№ heute noch auf Anhieb richtig, da dieses Wort im modernen Sprachgebrauch so gut wie vцllig auf religiцse Orden wie die Benediktiner beschrдnkt ist. Das Grimm’sche Wцrterbuch verzeichnet noch: «6) nach dem muster der geistlichen ritterorden wurden seit dem 13. und 14. jahrh. auch weltliche ritterorden (vgl. 7) und sodann in nachahmung derselben eine menge von gesellschaften und vereinen (orden) gestiftet, die verschiedene, in ihren statuten ausgesprochene zwecke verfolgten, z. b. die sprachgesellschaften des 17. jahrh. (der palmenorden, orden der Pegnitzschдfer, der Elbschwanenorden u. s. w.), der illuminatenorden, freimaurerorden [13, s. 1319] u. a.; die geheime orden... arten in gesellschaften aus, welche dem staat und der verfassung desselben nicht selten gefдhrlich werden. WEGELE gesch. d. univers. Wьrzburg 2, 448 (vom jahre 1795)». Zwar ist der Blumenorden heutzutage den einheimischen Nьrnbergern trotz seiner vielfдltigen Bemьhungen so wenig bekannt, daЯ er, ohne es zu wollen, eine Geheimgesellschaft bildet, doch hat er sich nie zum Schaden des Staates oder der Verfassung betдtigt. Wohl aber hatte er in der Zeit, in der «Gesell-schaft» nicht mehr vorwiegend auf die Gesellen der Handwerksberufe angewendet wurde, sondern eine Fortentwicklung der Stдndeordnung zu bezeichnen anfing, als Muster eines Zusammenschlusses zu gelten, den Bьrgerliche zum Wohl ihres Gemeinwesens eingingen und, mehr oder weniger bewuЯt, als Modell eines kьnftigen republikanischen Staatswesens fьr ganz Deutschland ausbauten. Daher muЯ man nicht nur die im Pegnesischen Blumenorden gepflegte Sprache und Dichtung betrachten, sondern auch seine Satzungen.

In seiner grundlegenden Bibliographie der deutschen Literatur schrieb Karl Goedeke an der Stelle, an der er die Nьrnberger des 17. Jahrhunderts auffьhrt, der Pegnesische Blumenorden sei in seiner ersten Zeit ja eigentlich keine Sprachgesellschaft, sondern ein Dichterkrдnzlein gewesen. Das wird man angesichts der Mitgliederliste und der Umgangsformen der ersten Pegnesen nicht bestreiten, wenn auch der Blumenorden nicht zuletzt mit spracherneuernden Zielen die Dichtung des 17. Jahrhunderts befruchtete. Weniger leicht ist hinzunehmen, daЯ fьr den Barockforscher diese Vereinigung nicht ьber das frьhe 18. Jahrhundert hinaus einen Gegenstand bildet, andere Literaturgeschichtsschreiber, deren Fachgebiete in spдterer Zeit liegen, aber auch nicht viel Kenntnis davon nehmen. Wenn eine solche Gesellschaft als einzige so lange weiterbesteht, dann liegt schon darin eine gewisse Einzigartigkeit, der man nachspьren sollte.

Es ist viel zu wenig bekannt, wie eng die Bestrebungen, eigenstдndige Literatur - und Sprachpflege zu treiben, bereits im 18. Jahrhundert mit Versuchen durchsetzt waren, die Wissenschaften allgemein, vornehmlich aber die Naturwissenschaften zu pflegen, und wie daraus Ansдtze zur spдteren erfolgreichen Industrialisierung der Stadt hervorgehen konnten. Der Blumenorden war nach Harsdцrffers Tod eigentlich schon am Verlцschen, als der «Zweite Grьnder», Sigmund von Birken, seine Bedeutung und seinen Mit-gliederbestand wieder erhцhte. Pfarrer Martin Limburger konnte nach Birkens Tod darauf aufbauen, gewann aber Neumitglieder fast nur aus dem Umkreis der Altdorfer Universitдt hinzu. Professor Omeis erging es nach dem Tod Limburgers (1692) und nachfolgendem Interregnum auch nicht viel besser. Allerdings be-wirkte er mit der ersten selbstдndigen Satzung von 1699 einen programmatischen Neuanfang, doch dieser wurde anscheinend nicht umgesetzt. Erst Christoph Fьrer erntete den Erfolg — freilich nicht, ohne selbst nochmals ausgesдt zu haben. Man sollte daher beiden gleichermaЯen zubilligen, innerhalb der Spanne von zwanzig Jahren den dritten maЯgeblichen Anlauf zur Festigung des Ordens getan zu haben, und das zu einer Zeit, in der vergleichbare Gesellschaften reihenweise eingingen.

Als die Pegnesen aufgehцrt hatten, gemeinsam «Schдfereien» zu verfassen, stellten sie jedenfalls kein Dichterkrдnzlein mehr dar. Der zweite Punkt der erwдhnten Satzung ist ein Hinweis darauf, daЯ im Orden

© Kьgel W., 2008


Ein halbes Jahrhundert nach seiner Grьndung die dichterische Produktion nachzulassen begann: Jedes Or-densmitglied wurde bei Strafe eines Talers dazu angehalten, wenigstens einmal im Jahr dem Orden etwas Selbstgedichtetes einzuschicken. An Werken, die von den damaligen, meist akademischen Mitgliedern ьber Dichtungstheorie, Sprachpflege, Mathematik und Gottesgelehrsamkeit verцffentlicht wurden, fehlte es dabei weniger. Unter Prдses Omeis wollte man zwar noch auf die Literatur EinfluЯ nehmen, war aber unversehens eine Gelehrtengesellschaft geworden. Leider fiel es dieser Gruppe noch nicht ein, man kцnnte sich gerade dazu bekennen und den Orden entsprechend umstrukturieren.

In der Sprachpflege stand die Abkehr vom Ьberholten ebenfalls nicht unter einem guten Stern. Jedes Mitglied wird in Punkt 3 aufgefordert, sich neuer, unbekannter Wцrter und «verworfener Konstruktionen» zu enthalten. Das konnte Auswдrtige nicht hindern, die Nьrnberger weiterhin nach jener Epoche zu beurteilen, in der sie sich an Wortneubildungen versucht hatten. Eine zweite Quelle des Vorurteils: Es gab um 1700 zahlreiche und vielbelдchelte Wortneuschцpfungen auf dem Gebiet religiцsen Schrifttums, gerade bei den Pietisten; Birken und seine Ordensgenossen waren aber den Pietisten geneigt gewesen. [2, 107 ff.] Wenn Omeis nun die Sprachpflege am Gebrauch von «vornehmen» und «gelehrten» Leuten ausrichten wollte [3, 148 f.], erscheint diese Koppelung beinahe unzeitgemдЯ. Weniger die allmдhlich in gesellschaftlicher Hin-sicht nach unten gedrдngten Professoren, sondern die aristokratischen Kreise gaben um 1700 den Ton der guten Gesellschaft an – so dachten jedenfalls diejenigen Gelehrten, die «Galanten», die sich unter Nichtach-tung ihrer «schulfьchsischen» Standesgenossen nach oben orientierten. DaЯ dabei mehr das Ausland als der Zustand der «guten Gesellschaft» in Deutschland AnlaЯ zur Nachahmung gab, sei beilдufig angemerkt.

Die Nьrnberger jedoch lieЯen sich in ihrer Satzung von 1699 mehrere soziale Wahlmцglichkeiten of-fen: «In die Gesellschafft selbst soll man die, so es begehren, sowohl von hohem, als niederem Stande, Sie mцgen gleich frembde oder einheimische seyn, und von der Gelehrsamkeit profession machen, oder doch die guten Kьnste und Wissenschafften hoch achten, insonderheit aufgeweckte und scharfsinnige Gemьther, die zumahln in oder nahe bey Nьrnberg sich aufhalten, willig einnehmen». Es wird ansatzweise sichtbar, wie die Aufgeschlossenheit fьr Sprache und Dichtung bestehende Standesschranken einebnet, sofern nur die ge-meinsame Voraussetzung einer gewissen Vorbildung erfьllt ist. Auch dies weist ьber bisherige Sprachgesell-schaften hinaus; Gottsched hat zwanzig Jahre spдter mit der «Deutschen Gesellschaft» in Leipzig дhnliches im Sinn gehabt.

Es war ein Glьcksfall, daЯ sich 1708 ein mit wirklicher Autoritдt ausgestatteter Mann als Prдses ge-winnen lieЯ. Christoph VII. Fьrer von Haimendorf auf Wolkersdorf war stark in die Belange der Stad-tregierung verquickt, und zwar als Mitglied des «Aeltern Geheimen Raths», des eigentlichen Entscheidungs-gremiums. Er wurde 1718 Zweiter Losunger und 1725 sogar Erster Losunger (oberster Herr ьber die stдd-tischen Finanzen); nebenbei fungierte er noch als «Geheimbder Rath» des Mainzer Kurfьrsten und anderer Reichsfьrsten. Unter dem Vorsitz dieses Politikers wurde der Orden zur цffentlichen Angelegenheit. [1, 184 ff] Lilidor I. – so sein Ordensname – veranlaЯte, was ein heutiger Vorstandsvorsitzender in дhnlicher Lage wohl auch in die Wege leiten wьrde: Er forderte erst einmal alle Mitglieder zu schriftlichen Vorschlдgen auf, wie der Orden wieder zur Blьte gebracht werden kцnne. Andreas Ingolstдtter-Poliander, der noch der zweiten Generation der Pegnesen um Birken zugehцrte, war der rechte, seinem neuen Ordensoberhaupt die Anfдnge des Ordens in Erinnerung zu rufen. Es ist nur seltsam, wie er gleich bereit war, die geschichtlichen Tatsachen von der Grьndung so zurechtzufiltern, wie es dem hohen Herrn belieben sollte: «Hirbey werden Herrn Fьrers hochadel.[ige] Herrl. [ichkeit] zu fragen seyn, ob Sie gut befinden, daЯ der Anfang der Gesell-schaft vom S.[eligen] Herrn Harsdцrffer hergefьhrt werde? nach welchen EntschluЯ die Wahl S. [einer] Ho-chadel. Herrl. mцchte ausgefьhret werden [6, CVI 3 c)]». Dies erklдrt sich vielleicht daraus, daЯ man die langen Zwischenrдume zwischen den Amtszeiten der ersten Prдsides zum Vorwand hдtte nehmen kцnnen, von Neugrьndung zu sprechen und dadurch den Blumenorden zu einer moderneren Angelegenheit zu ma-chen. (SchlieЯlich schriebe sich die Academie Franзaise auch schon von 1635, wenn nicht nach dem Ende einer inaktiven Periode 1661 eine Neugrьndung erfolgt wдre.) AuЯerdem stand vielleicht Harsdцrffer wegen einiger DisziplinarmaЯnahmen, die gegen sein naiv-schцngeistiges Ungeschick in politischen Zusammen-hдngen ergriffen worden waren, bei seinen Standesgenossen nach wie vor nicht im hцchsten Ansehen.

Als Schдfergesellschaft war der Orden eben dazu gegrьndet worden, daЯ man sich ьber angenehme Dinge in seiner Freizeit auch einmal von Mensch zu Mensch, sozusagen in naturnahen Verhдltnissen, unter-halten kцnne. Gerade das kommt Poliander um 1710 nicht mehr tunlich vor. Man sehe sich nur einmal die reichlich ьberzogenen Anreden an! Damit ist aber die Hirtengesellschaft wesenlos geworden – und das in einer Reichsstadt, die eigentlich eine Republik darstellt. Es ist vor diesem Hintergrund hцchst unerwartet und bemerkenswert, daЯ der neue Prдses gerade den Freiraum so hervorhebt, den der Orden gewдhrt, allerdings nur zum Zweck gelehrter Gesprдche. Lilidor sieht in seiner eigenen Denkschrift den Blumenerden schon als eine Nьrnbergische Akademie. [5, CVI 3 a)] Dieser Gedanke wurde im Lauf der Geschichte noch mehrmals aufgegriffen und ist wohl einer der Ansporne, dem der Orden sein Ьberleben zu danken hat. Allerdings spielt


Die Dichtung nur noch eine Nebenrolle. Die Sprachpflege wird in einer Denkschrift von Erhard Reusch-Ergasto [7, CVI 3 g)] erwдhnt, doch daraus wurde wenig, jedenfalls nicht das beabsichtigte Wцrterbuch.

Nun steuerte alles auf eine neue Satzung zu, und 1716 ist sie im Druck erschienen. Punkt I. setzt in ьberlieferter Weise die Ehre Gottes voran. Christoph VII. Fьrer hat, anteilig genommen, noch mehr The-ologen zu Pegnesen gemacht, als es vorher schon geschehen war. Er lieЯ sich zwar poetische Werke zeigen, bevor er jemanden aufnahm, aber in den Schriftenverzeichnissen stehen hernach keine anderen Titel als Pre-digten, Kirchenlieder und theologische oder erbauliche Abhandlungen. Man sollte freilich die geistige Wandlung seit dem Ende des 17. Jahrhunderts nicht allzu gering veranschlagen. Auch Birken, sehr fromm, wenn auch kein Theologe, war zum Beispiel nicht mehr bereit gewesen, den Kometen von 1680 fьr einen gцttlichen Aufruf zur BuЯe zu halten. Er nahm an genauen Beobachtungen und Vermessungen teil, die von Burger-Asterio im Dezember dieses Jahres auf der eiskalten, zugigen Burgbastei mit einem groЯen Sextanten ausgefьhrt wurden, und schloЯ aus den von mehreren Orten gelieferten Daten, daЯ «... alles ein lauteres, natьrliches Werk» sei. Theologie und Philosophie sind einander in Deutschland nicht von vorneherein feind. Die Pegnesen scheinen die Aufklдrung also durchaus nicht verschlafen zu haben. Man sollte sich die erbau-lichen Schriften der Prediger im Orden also ruhig einmal ansehen, wenn man Nьrnbergs Geistesgeschichte schreiben will. In der Person des Georg Christoph Munz-Philodectes kann einer davon gefunden werden, der um 1730 mit seinem Eintreten fьr цffentliche anatomische Leichenzerlegungen und egalitдre Aspekte des Gemeinwohls durchaus auf der Hцhe der Zeit war. Nur wuЯte man noch nicht recht, unter welchem Vorzei-chen man die Dichtung weiterfьhren solle. Lange war es erklдrtes Ziel gewesen, unter dem Zeichen des «meraviglia-Ideals», den Leser in Erstaunen, ja Verblьffung zu versetzen, und sei es durch «widrige Zusammenfьgungen». Der Manierismus hatte von der zweiten Hдlfte des sechzehnten bis weit ьber die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts hinaus die europдischen Intellektuellen fasziniert; nun war er auch in Nьrnberg zu Ende gegangen.

Zu Lebzeiten des Prдses Lilidor I. suchten mehrere Ordensmitglieder auf ihren Reisen die Bekan-ntschaft mit auswдrtigen Gelehrten. In Frage kamen Literaten, die noch innerhalb der «galanten» Epoche eine Rolle spielten, sowie Vertreter des neuen, naturwissenschaftlichen Denkens. Herdegen-Amarantes und Johann Wilhelm Golling (Cleander II.) trafen in Hamburg zu unterschiedlichen Zeiten mit Erdmann Neumeister, Martin Richey und Johann Hьbner zusammen. In Holland besuchte Golling den Philosophen Hemsterhuis und in Basel Johann Bernoulli aus der berьhmten Mathematikerfamilie. Sein eigenes For-schungsgebiet war das Universalienproblem. Man sieht schon: Es hдtte fьr eine wцchentliche Gele-hrtenzusammenkunft nach den Vorstellungen Fьrers eine Menge Anlдsse zu guten Erцrterungen unter gescheiten Leuten gegeben. Fьrer jedoch war je lдnger desto weniger imstande, den Kristallisationspunkt derartiger Tдtigkeit abzugeben. Er hatte mit seinen Дmtern so viel zu tun, daЯ er sich oft ьber ein Jahr lang nicht um den Blumenorden kьmmern konnte. Als er 1732 im Alter von fast 69 Jahren starb, hatte er immer-hin seine Nachfolge gut vorbereitet, denn der neue Prдses Florando (Pfarrer Joachim Negelein) wurde noch im selben Jahr gewдhlt. Die Bedeutung des Ordens beruhte aber nurmehr auf der Bedeutung einzelner Mit-glieder, die diese sich auЯerhalb des eigentlichen Ordenslebens errungen hatten, und nicht mehr auf der ge-meinschaftlichen Tдtigkeit des Ordens. Auch Herdegens kultur - und geistesgeschichtlich so bedeutsame Festschrift von 1744, die hier mehrmals zitiert wird, ist im wesentlichen als Einzelleistung zu sehen. Als in-nerhalb des Jahres 1750 Prдses Negelein und sein berьhmter Schriftfьhrer Amarantes verstorben waren, einigten sich die Ordensrдte nach langem Briefwechsel darauf, dem Altdorfer Professor Schwarz-Melander das Vorsteheramt anzutragen. Leider starb er schon im folgenden Jahr, und die Bemьhungen gingen von vorne an.

Am 17. Oktober 1751 wendet sich der Schriftfьhrer Schцnleben an alle Mitglieder: «... l) Unsre lцbl. Societaet soll entweder in der lang-anhaltenden Inactivitaet bleiben, wie biЯhero: so wird es so wenig scha-den als nьzen, ob sie ein Oberhaubt habe, oder wer dazu erkieset werde, wenn nur die Wahl unseren Statuten gemдЯ vollzogen wird 2) oder es soll dieser ruhige Cцrper mit Geist und Leben erfьllet und in die Bewegung gesezet werden und zwar durch den krдftigen EinfluЯ eines wьrdigen Oberhaubts, und da sind dann freylich vielerley Umstaende wohl zu ьberlegen. Wegen der Versicherung des Irrhayns, des im l. LandAllmos-Amt angelegten Capitals, der Gesellschafts-Casse und des Archivs darf man wohl unbesorgt schlafen, denn dies alles geht und dauert in seiner Richtigkeit ungehindert fort; der innere und moralische Zustand unsres Blu-menOrdens entdeket mir einen andren Irrhayn... [8, CVIII, Faszikel 10, 108 k]». Das Prдsidium ging schlieЯlich an einen verhдltnismдЯig jungen Mann mit einem alten Namen ьber: AchtunddreiЯig Jahre war Herr Anton Ulrich Fьrer alt, als er 1751 in der Nachfolge seines Vaters Christoph dieses Amt antrat. Man dachte damals auch in solchen Dingen gerne dynastisch, und doch war die Zeit gekommen, zu bemerken, wie wenig sich in Wirklichkeit wiederholen lдЯt.

Ein groЯer Gewinn fьr den Orden war die 1751 erfolgte Aufnahme des Altdorfer Gelehrten Georg Andreas Will-Chelander, auch wenn sich sein Wirken fьr die erste Zeit nicht belegen laЯt. Hingegen ist sein Hauptwerk bis heute jedem, der sich mit der Literaturgeschichte der Stadt abgibt, eine unentbehrliche Hilfe:


Die «Bibliotheca Williana», ursprьnglich das Verzeichnis seiner riesigen Sammlung alter Nьrnberger Schriften, spдter zur vollstдndigen, kommentierten Bibliographie bis 1794 ausgebaut, und sein Nьrnber-gisches Gelehrten-Lexicon stehen noch im Nьrnberger Stadtarchiv am Egidienberg dem Forscher zur Ein-sicht zu Verfьgung. Man darf vermuten, hier habe sich der Orden mithilfe seiner Archivalien und durch Auskьnfte von Mitglied zu Mitglied mittelbar nьtzlich erwiesen.

Man hat einige Zeit lang nicht gewuЯt, ob ьberhaupt bis 1774 ein neuer Prдses gewдhlt wurde. Akten darьber sowie ьber irgendwelche Zusammenkьnfte sind nicht bekannt. Immerhin erwдhnte Georg Wolfgang Panzer in seiner Jubilдumsrede von 1794, Reichel-Eusebius habe nach des jьngeren Fьrer Ableben (1765) dafьr gesorgt, daЯ die Gesellschaft nicht vцllig einschlief, und sogar neue Mitglieder aufgenommen. Er nennt ihn sogar «Vorsteher», aber eine Wahl wird nicht erfolgt sein [4, 26 f]. Wдre der Orden gesund gewesen, hдtten wir als Zeichen davon mindestens eine neue Satzung von, sagen wir, 1760. Das wдre in der Reich-sstadt Nьrnberg auf dem Boden des sьddeutschen Protestantismus mцglich gewesen – man hдtte sich ja nicht gegen die eigene Tradition wenden mьssen – wenn man nur den AnschluЯ an Bodmer und Breitinger in Zьrich gesucht hдtte. Aber das, was der Blumenorden in diesen Jahren versдumte, leistete einstweilen sein spдteres Ehrenmitglied Christoph Martin Wieland.

Innerlich stimmte es schon lange nicht mehr, selbst wenn sich im Rahmen einer Dichtergesellschaft wie des Blumenordens noch lange die Fiktion hielt, man dichte aus der kleinen Gesellschaft der Hirten heraus fьr die weite Gesellschaft im Reich oder wenigstens fьr die Gelehrtenrepublik. Das neuzeitliche Sub-jekt fing an, sich in Gegensatz zu seiner AuЯenwelt zu stellen, um sich ьber seine individuelle Wesensart klar zu werden, seit das Rollenangebot der stдndischen Organisation nicht mehr alle mцglichen BewuЯt-seinsinhalte abdeckte. Fьr die Dichtkunst bedeutete das, daЯ man Themen behandeln wollte, ja muЯte, fьr die es kaum Gattungsmuster und jedenfalls keine sicheren Abnehmer gab, und daЯ andererseits das Dichten in den vertrauten Geleisen immer schablonenhafter geriet und zur bloЯen Kunstfertigkeit herabsank. Beispiele aus dem Orden gibt es viele: die als kostspielige Einzeldrucke verцffentlichten Gratulationsgedi-chte und «Leichcarmina». Und wer das Zurechtklьgeln von Rollen - und Gelegenheitsgedichten hinter sich lieЯ, fand deshalb noch lange nicht zu ьberzeugenden neuen Formen, sondern goЯ oftmals neuen Wein in alte Schlдuche. Bezeichnend dafьr sind die empfindsamen Trauergedichte, die der Arzt und Ordensrat Con­rad Wittwer-Chiron I. seinen jeweils im Kindbett gestorbenen Gemahlinnen schrieb – und vor dem Orden anscheinend geheimhielt! Der in einer literarischen Gesellschaft organisierte Privatdichter ist ein Unding, aber ebenso die privaten Anlдsse fьr Gelegenheitsgedichte mit цffentlichem Charakter. So blieb den be-wahrend gesinnten Dichtergemьtern eigentlich nur das Gebiet der religiцsen Meditation, um individuelle geistig-seelische Erfahrung mit herkцmmlichen Themen, Formen und gesellschaftlicher Stellung zu verein-baren. Und andere als am Herkommen hдngende Gemьter fanden sich im Orden vorerst nicht zusammen. Was aus einem Gesichtspunkt, dem des geistesgeschichtlichen Fortschritts, als Klotz am Bein erscheint, nдmlich das unbedingte, fьr Nьrnberg bezeichnende Zusammenstehen von Kirche, Kultur und Regierung, das hдtte aus dem Gesichtspunkt des literargeschichtlichen Fortschritts kein Hindernis darstellen mьssen. Wie fromm war nicht Klopstock, der doch gerade zu dieser Zeit daranging, ein Epos ьber — ausgerechnet — Jesus Christus zu schreiben! Auch die Pegnesen hдtten Erfolg haben kцnnen mit ihrer Dichtung zum Preis des Hцchsten, wenn sie sich in sprachlicher Hinsicht mehr zugetraut hдtten. Professor Schwarz jedoch hatte das Stilgefьhl dieser Generation mit seiner abgelebten galanten Rhetorik gebildet. Noch dazu gab man sich noch gelahrter mit seinem Latein, wдhrend man achtloser mit seinem Deutsch umsprang als zu den ersten, kдmpferischen Zeiten der deutschen Sprachpflege. Schцnleben-Calovius, zum Beispiel, ьbertrug zwei lateinische Oden zum Lob der Buchdruckerkunst, die Schwarz zum dreihundertsten Jubeljahr der Erfindung Gutenbergs verfaЯt hatte, ins Deutsche, kam aber nicht auf den Einfall, die antike Reimlosigkeit auch einmal zur Wьrde unserer Sprache anzuwenden – wie Klopstock, dessen Oden, bei Kennern jedenfalls, anhaltend beliebt sind. Wenig fehlte, um 1750, was den Orden zu einer verdienstlichen und anerkannten Dichtergruppe machen konnte, aber dieses wenige bewirkte eine Welt von Unterschieden.

1772 gibt Cramer-Irenander ьberraschenderweise im Titel eines Trauergedichtes an, den Lцhner-Leucorinus «beklagte die deutsche Gesellschaft in Nьrnberg», nicht etwa der Blumenorden! Wдhrend die regelmдЯige Ordenstдtigkeit zwischen Lilidor II. und Dietelmair-Irenдus I. neun Jahre lang ruhte oder noch mehr im stillen vor sich ging als sonst, muЯ es also Bestrebungen gegeben haben, im Programm AnschluЯ an die auswдrtigen «Deutschen Gesellschaften» zu finden. Das Grimm’sche Wцrterbuch liefert frьhe Belege fьr diese Alternativbezeichnung, nicht ohne auch die Pegnesen einzuschlieЯen: «e) gelehrte, wissenschaftliche vereinigung: so wдre dies meine unvorgreifliche meinung, es sollten einige wohlmeinende personen zusam-mentreten und unter hцherem schutz eine 'deutschgesinnte gesellschaf stiften. LEIBNIZ im weim. jahrb. 3, 109, aber die Berliner akademie wurde 1700 gegrьndet als eine teutschgesinnte societдt der scienzien (hist. de l'acad., Berl. 1750 p. 187); die kцnigl. sдchs. gesellschaft der wissenschaften; naturwissenschaftliche, phi-losophische, medicinische gesellschaft u. s. w.; verein zur pflege der deutschen sprache, der erste war die fruchtbringende gesellschaft oder der palmenorden, nach дhnlichen italienischen gesellschaften im jahre


1617 von den zwei fьrsten Ludwig von Anhalt-Kцthen, vater und sohn, den drei herzцgen Johann Ernst, Friedrich und Wilhelm von Weimar u. a. gegrьndet, s. GЦDEKE grundrisz2 3, 5 fg.; der pegnesische blu-menorden oder die gesellschaft der schдfer an der Pegnitz,…». Beinahe hдtte so auch der Name des Blu-menordens ohne groЯe Ankьndigung sein Ende in einer Standardbezeichnung fьr eine weitere der damals beliebten Redner - oder Lesegesellschaften gefunden. Eine Anlehnung des Blumenordens an eine damals in Altdorf bestehende „deutsche Gesellschaft“ wird ьberdies durch zwei Hinweise wahrscheinlich gemacht: Ьber Konrad Meierlein, zuletzt Pfarrer von Kraftshof, sowie den Pfarrer Erhard Christoph Bezzel heiЯt es in den betreffenden Nachrufen, sie seien auЯer in den Blumenorden auch in die von Will gegrьndete Gesell-schaft dieses Namens aufgenommen worden.

Es gab in Altdorf aber noch eine zweite Gesellschaft дhnlichen Namens («Deutsche Privatgesell-schaft»), die einige Studenten gegrьndet hatten, und von dieser ging schlieЯlich die lдngst notwendige Erneuerung des Ordens aus. Bevor das allerdings geschehen konnte, hatten alle drei Gesellschaften eine Weile nebeneinander her bestanden. Aus den im Archiv ьberlieferten Jugendwerken dieser letzten Blьte der Altdorfer studierenden Jugend, kurz bevor die Universitдt aufgelцst wurde, lдЯt sich ersehen, daЯ sie sich neben den literarisch Ansprechbaren der anderen Gegenden Deutschlands durchaus sehen lassen konnten, wenn sie auch nicht den Rang der Neuerer erreichen, in deren geistigen Spuren sie wandeln. Es stellt diesen nachmaligen Mitgliedern des Pegnesischen Blumenordens ein gutes Zeugnis aus, wie sie mit Schwung und FleiЯ daran arbeiteten, den AnschluЯ an die literarische und geistesgeschichtliche Entwicklung nicht zu ver-passen. Sie haben Anteil an derjenigen Traditionslinie, die als Subkultur unmittelbar aus Rokoko und Emp-findsamkeit ьber Sturm - und Drang-Jahre in den vorklassischen Klassizismus fьhrt, fast ohne Ьbergang zum Biedermeier, vielleicht sogar zum Frьhrealismus, ohne an der Weimarer Klassik der beiden GrцЯten viel An-teil zu nehmen. Ob man diese in Nьrnberg, wenn man den Unterschied zu Leuten wie Wieland ьberhaupt wahrnahm, begriff und schдtzte, mьЯten Einzeluntersuchungen klдren.

Die Aufnahme dieser Studentengruppe in den Blumenorden war von einigen unschцnen Auseinander-setzungen mit der ziemlich untдtigen Ordensleitung unter Pfarrer Hartlieb-Sclerophilus begleitet. Doch ganz so schroff, wie es die neuen Vordenker nach deren Kapitulation im Jahre 1786 erwartet hatten, war der Bruch mit der Vergangenheit unter dem neugewдhlten Prдses Panzer nicht. Er war immerhin eines der дltesten Mitglieder. Theophobus – «der Gottesfьrchtige», oder sollte man nach Gellerts Vorbild «Fьrchte-gott» ьbersetzen? – wollte die arkadischen Namen nicht abschaffen. Er muЯ noch um den christlichen Hintergrund der Pegnitzschдferei gewuЯt haben, in einer Zeit, da republikanische Franzosen die Schдfereien der Marie Antoinette unsдglich albern und provozierend fanden.

In einer anderen Hinsicht jedoch hielt es Panzer nicht mit gutem altem Herkommen: Er dachte offen-bar wenig von Frauen im Orden, oder mindestens von den einsam-gedrьckten Frauengestalten (Witwen und дlteren Frдulein), die dem Orden zu dieser Zeit noch angehцrten.

Am l. November 1791 muЯte besprochen worden, wie sich der Orden gegen eine abtrдgliche Darstel-lung in der Berliner «Deutschen Bibliothek» zur Wehr setzen sollte. Ein Widerhall davon war auch in der «Jenaischen Allgemeinen Literaturzeitung» in einem der neuesten Stьcke zu lesen gewesen. Von daher we-hte der Wind, der Schiller ohne nдhere Kenntnis zu seinem berьchtigten Verdikt ьber den Orden veranlaЯte. Vermutlich waren es politische Grьnde, die den Journalismus jener Tage veranlaЯten, Nьrnberg zum Gegen-bild all dessen hinabzustilisieren, was man fьr fortschrittlich hielt. (Statt des Josephinismus seiner fьhrenden Mitglieder erwarteten «progressive» Intellektuelle anscheinend, daЯ man zum Jakobinismus tendiere.) Die Pegnesen rьckten dem «Journal von und fьr Franken» eine in ihren Augen zweckmдЯige Abhandlung ein, desgleichen dem «Intelligenzblatt» Nьrnbergs. Schiller hat's nicht wahrgenommen, und Nьrnbergs Ehrenret-tung erfolgte spдter aus einer romantischen Gesinnung, die dem Wesen des damaligen Blumenordens auch nicht entsprach, durch Wackenroder und E. T.A. Hoffmann.

Ein Leitgedanke, den schon Christoph Fьrer gehegt hatte, wurde wieder entdeckt: «Da diese... Sitzungen vorzьglich dazu bestimmet sind, sich den Absichten des Ordens immer mehr zu nдhern, so haben die Mitglieder unter sich festgesetzet, daЯ dabey wechselsweise gelehrte Abhandlungen vor und abgelesen werden sollen, die entweder in die schцnen Wissenschaften ьberhaupt einschlagen, oder die deutsche Sprache und Dichtkunst zum Gegenstand haben, ohne jedoch die vaterlдndische Geschichte auszuschliesen [8, Schuber LXXXVI, Sitzungsbericht vom 12. 8. 1793]». Die Vortragsmanuskripte erhдlt anschlieЯend der Schriftfьhrer fьr das Archiv, ebenso wie die Nachrufe, die nun statt der vorher ьblichen Trauergedichte fьr jedes Mitglied von seinen Freunden verfaЯt und meist auch durch den Druck цffentlich bekanntgemacht werden. Eine neue Sicht der Dinge bereitet sich durch Sammeln von Tatsachen vor, auch wenn die Gesi-chtspunkte des Sammelns noch herkцmmlicher Art sind. Was sich der Blumenorden am Ende des 18. Jahr-hunderts zum Ziel setzt, ist zunдchst noch zu verstehen aus der Anteilnahme an allem Menschlichen: Man wьnscht ьber das Subjekt der Aufklдrung, den mьndig werdenden Bьrger, noch mehr zu erfahren. In Adal­bert Stifters frьhem Roman „Die Narrenburg“ wird diese introspektive Neugierde eine Generation spдter dem Zweifel, ja der Lдcherlichkeit preisgegeben: Es ist gar nicht so weit her mit dem Individuum, und es


Sollte sich lieber nach auЯen richten. Das kцnnte man als den Beginn des Realismus in der Dichtung bezeichnen. Die Pegnesen gehцren zu jenen, die im Zeitalter des Bildungsromans unwillentlich diesen Umschwung vorbereiten, indem sie ьber den durchschnittlich gebildeten Menschen das Charakteristische aufschreiben lassen.

Was man damals auch einen «Biedermann» nannte – ganz ohne Betulichkeit oder Ironie –, war einer, der sich dem цffentlichen Wohl in seiner Eigenschaft als Privatperson verpflichtet glaubte und danach han-delte. Man zog sich nicht auf den Standpunkt zurьck: «Ich zahle genug Steuern, der Staat wird's schon ma-chen», wenn man Patriot war; man grьndete und erhielt durch Stiftungen und Mitarbeit private Anstalten oder Institutionen, die gleichwohl der Цffentlichkeit dienten, obwohl sie sich fьr die Stifter nicht unmittelbar auszahlten. Rьhrige Bьrger dieser Art fanden sich auch im Pegnesenorden. Doch der genьgte ihnen nicht in ihrer Eigenschaft als Biedermдnner: Ein weiterer, gemeinnьtziger Verein nahm manche von ihnen auf – die meisten davon gehцrten sogar zu seinen Grьndungsmitgliedern –, und dieser war die 1792 ins Leben gerufene «Gesellschaft zur Befцrderung der vaterlдndischen Industrie».

Zu dem noch nicht hinlдnglich erklдrten Begriff «Privatgesellschaft», der zuerst im Namen der Altdor-fer Studentenvereinigung aufgefallen war, gab Panzer in seiner Rathaus-Festrede zum Jubilдum von 1794 die abrundende Auskunft. Die Anrede an die Versammelten ist im Sinne des alten stдndischen Systems цf-fentlich genug: «Hochpreislicher Herr Kirchenpfleger, Hochansehnliche Herren Scholarchen, Hochverehrliche Herren Gesellschafter». Doch beeilte er sich, der vernachlдssigten Kulturpolitik der abge-sackten alten Reichsstadt die Initiative gegenьberzustellen, die der Blumenorden, trotz aller Beschrдnkun-gen, immerhin in neuere Zeiten herьbergerettet hatte: «Es ist blos eine Privatgesellschaft..., die das, was sie werden wollte, und was sie wurde, immer aus sich selbst nehmen muste – eine Gesellschaft, die ihrer Art und Einrichtung nach, dasjenige weder leisten wollte, noch konnte, was andere Academien und ausgebreitetere Gesellschaften, denen ein ungleich grцЯerer WirkungskreiЯ angewiesen werden muste, und denen es daher nie an der thдtigsten Unterstьtzung, nie an den ehrenvollesten, ihre, notwendigerweise grцЯere Anstrengung, belohnenden Ermunterungen fehlen konnte, zu leisten imstande waren [4, 5]». Das war der Vergleich nach auЯen. Zum Geist einer privaten Sprach - und Dichtungsgesellschaft fiel aber Panzer folgendes ein: «Wer wollte ferner mit den Musen einen vertrauten Umgang zu pflegen wьnschen, wenn dieses blos zum Zeitver-treib und zur Ausfьllung mьЯiger Stunden geschehen sollte, wenn man von ihnen nicht auch die einzige groЯe Kunst – der Welt nьtzlich zu seyn – lernen kцnnte? [4, 7]». Dies ist nun allerdings platter Rationalis-mus, graudдmmriges achtzehntes Jahrhundert; hier scheidet sich der Geist des Blumenordens vom Geist der Klassiker, namentlich Goethes. Von der Autonomie des Kunstwerks, vom Menschen, der, fern von dem Nьtzlichkeitszwang des Alltags, als Spielender zu hцherem Menschsein findet, also von дsthetischer Erzie-hung nach Schillers etwa gleichzeitigem Entwurf, ist hier noch nicht die Rede. Die Pegnesen jener Jahre di-chteten auf jener mittleren Hцhe, deren Klima zu einer Pflanzschule des guten Geschmacks geeignet ist, und sie erfьllten in ihrer Stadt ihre kulturelle Aufgabe als Vermittler des Verstдndnisses fьr Dichtung an die bre-itere Цffentlichkeit. Es kann keine Genies geben ьber einer Wьste von Unbildung. Es ist aber nicht etwa so, daЯ erst nach den Umwдlzungen von 1786 im Orden zeitgemдЯ zu dichten begonnen worden wдre, oder daЯ nur die „patriotischen“ Autoren, oder diese vor allem, jenen rettenden Umsturz herbeigefьhrt hдtten. Das eine bedingte auf vielfдltige Weise das andere, und eine bloЯe Wiederspiegelung des «Unterbaus» im «Ьberbau» oder, anders gewendet, ein Triumph der Kunst ьber das Leben kann nach der erkennbaren Lage der Dinge nicht behauptet werden. Wohl aber bestand der Blumenorden mit gutem Recht weiter.

Bibliographische Quellen

1. Herdegen, Johann. Historische Nachricht von deЯ lцblichen Hirten - und Blumen-Ordens an der Pegnitz Anfang und Fortgang biЯ auf das durch Gцttl. Gьte erreichte Hunderste[!] Jahr/[...] Amarantes [Johann Herdegen], Nьrn-berg, bey Christoph Riegel, Buch - und Kunsthдndler unter der Vesten, 1744.

2. JЬrgensen, Renate. Utile cum dulci – Die Blьtezeit des Pegnesischen Blumenordens in Nьrnberg 1644 bis 1744. – Harrassowitz-Verlag Wiesbaden, 1994

3. Omeis, Magnus Daniel. Grьndliche Anleitung Zur Teutschen accuraten Reim - und Dicht-Kunst […], 2. Auflage, Stadtbibliothek Nьrnberg unter Signatur Amb. 2199, I. Teil].

4. Panzer, Georg Wolfgang. Erneuertes GedдchtniЯ des vor hundert und funfzig Jahren gestifteten Pegnesischen Blumenordens in einer feyerlichen Versammlung der gegenwдrtigen Ordensmitglieder am 15. Julius 1794 gehal-tenen Rede von dem Vorsteher des Ordens Georg Wolfgang Panzer, Schaffer an der Hauptkirche zu St. Sebald in Nьrnberg. Nьrnberg, gedruckt mit Stiebner'schen Schriften, 1794.

5. Pegnesenarchiv, CVI 3 a).

6. Pegnesenarchiv, CVI 3 c).

7. Pegnesenarchiv, CVI 3 g).

8. Pegnesenarchiv, CVIII, Faszikel 10, 108 k.

9. Pegnesenarchiv, Schuber LXXXVI, Sitzungsbericht vom 12. 8. 1793.

Надійшла до редколегії 25.02.08



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